Enthusiasmuskolumne

Diesmal: das beste Reissue der Welt der Woche

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

Die Monks und ihr Überbeat

Zwölf Songs in 30 Minuten. Die perfekte Albumlänge im guten alten Vinylformat also. Aber nicht nur formal passt hier alles: Jeder einzelne dieser mit ewiggültigen Titeln ("I Hate You", "We Do Wie Du") ausgestatteten Songs ist ein hochkonzentrierter Bringer.

In Summe ergeben sie eine der aufregendsten Platten, die die alte Tante Rock 'n' Roll je hervorgebracht hat. "Black Monk Time" heißt sie, erstmals erschienen ist sie im Mai 1966 beim deutschen Polydor-Label.

Die zugehörige Band, die Monks, bestand aus fünf G.I.s, die nach ihrem Militärdienst als Beatmusikanten in Deutschland hängengeblieben waren. The Five Torquays nannten sie sich anfangs - und waren nur eine unter hunderten Combos, die den Beatles und den Stones nacheiferten.

Dann aber tauchten die deutschen Kunststudenten Walther Niemann und Karl-Heinz Remy auf, und die Torquays verwandelten sich in die Monks, eine harte Garagenrockband mit strengem Konzeptüberbau.

Die Musiker bekamen Tonsuren rasiert und wurden in Mönchskutten gesteckt, ein im Eigenbauverfahren entwickeltes elektrisches Banjo kam zum Einsatz, die Musik wurde vehement Richtung Räudigkeit gezerrt und als "Anti-Beat" angepriesen.

Hören wollte diesen begnadeten Krach damals kaum jemand, nach zwei weiteren gefloppten Singles lösten sich die Monks 1967 auf. "Black Monk Time" aber entwickelte ein Eigenleben und wurde zu einer der größten Sixties-Kultplatten überhaupt.

Eine inzwischen auch als DVD vorliegende Dokumentation über die Band ("The Transatlantic Feedback") führte 1999 zu einer späten Reunion. Und nun ist auch eine offizielle Neuauflage des unter Sammlern im Original um bis zu 1000 Dollar gehandelten Albums erschienen, das lange Zeit nur als Bootleg in lauwarmer Soundqualität erhältlich war.

Das Beste daran: "Black Monk Time" ist jetzt nicht nur als CD, sondern auch als Vinyl im Original-Artwork zu haben.


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