"Wir fühlen uns überhaupt nic ht frühlingshaft"

Feuilleton | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

Was ist die philosophische Bedeutung des Frühlings? Der Philosoph Robert Pfaller über Le Sacre du Printemps, das Leben als Verausgabung oder Sparprogramm

Aufzeichnung: Matthias Dusini

Wie das Alter und das Geschlecht ist der Frühling, der zugleich Neubeginn, und Lebendigkeit signalisiert, etwas kulturell Determiniertes. Ganz bestimmte Epochen fühlen sich plötzlich jung, kraftstrotzend und bereit, mit ihrer ganzen Vergangenheit zu brechen und einen Neubeginn zu wagen. Wir, die wir auch am Neubeginn eines Jahrhunderts stehen, fühlen uns bezeichnenderweise überhaupt nicht frühlingshaft. Wir sind schon froh, wenn wir nicht alt und schwach sind; kräftig sind wir keinesfalls.

Es ist kein Zufall, dass der Frühling als kulturelle Metapher an der Wende zum 20. Jahrhundert auftaucht, etwa als Ver Sacrum. Die Künstler um 1900 sind Rebellen. Sie gefallen sich in Bildern der Barbarei und des Zerstörens. Der Futurist Fi-lippo Tommaso Marinetti und seine Kollegen wollen die Bibliotheken verbrennen


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