Ein Fotograf an jeder Straßenecke

Feuilleton | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

Drei aktuelle Ausstellungen in Wien zeigen Vertreter des untergegangenen Genres der Street Photography

Ausstellungsrundgang: Nicole Scheyerer

Ein Bild wie aus einem Hitchcock-Film: Auf dem Rücken einer Blondine zeichnet sich der Kopf eines Mannes ab, der ihr dicht auf der Straße folgt. Nichts deutet auf eine Gefahr hin, dennoch wirkt es unheimlich, wie der männliche Schatten ein grafisch anmutendes Loch in die weibliche Hinteransicht reißt.

Lee Friedlanders geniales Foto "Shadow" von 1966 wird häufig als Selbstporträt bezeichnet, da sich der US-Fotograf auch in anderen Fotos indirekt verewigte. Aber wo bleiben die Umrisse der Kamera und des zum Auslöser geführten Arms? In "Shadow" taucht der Fotograf auf und bleibt doch unsichtbar, ganz so, als hätte er die Szene nicht selbst geschossen.

Der Fotograf als "Drifter" durch die Großstadt, als geistgleicher Zeuge, dessen einziger Eingriff in das geschäftige Treiben in der Erbeutung von Bildern besteht: Keine andere fotografische Richtung

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