Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

Gegen die allgemeine Verrohung der Sitten

Wenn Sie nicht aufpassen, können Sie stundenlang stehen und Ihren Mitmenschen die Tür aufhalten. Beim U4-Stationsgebäude Kettenbrückengasse zum Beispiel, wo es für die meisten Fahrgäste, die die U-Bahn unten gerade ausgespuckt hat, ganz selbstverständlich ist, an Ihnen vorbeizurauschen - ohne einen Blick des Dankes! Wieso kapiert in dieser Stadt niemand die Regeln? Weil sie nirgendwo aufgeschrieben sind, meinen Sie? Aber die Sache mit dem Hausverstand, den durchschauen Sie doch auch alle. Man hält also, das ist doch selbstverständlich, bei den U4-Stationen die Schwingtür für die nachfolgende Person auf, diese übernimmt den Job und ist zum Nächsten freundlich und so weiter? Hofknicks oder Küssdiehandgnäfrau, dieser Benimmquatsch wurde in Wien lang genug und ganz umsonst unterrichtet. Der urbane Mensch soll sich in alltäglichen Umgangsformen bilden: Aussteigen lassen, rechts stehen, links gehen und Stationsgebäude so verlassen, dass man anderen Leuten keine Tür vor den Kopf knallt. Danke sagen wäre dann schon die Kür.


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