Prost!

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Vöslauer Balance

Stadtleben | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

Schmeckt nach Zitrone und geschicktem Marketing

W as ist gutes Marketing? Die Kunst, Leuten Flausen in den Kopf zu setzen und damit Geld zu scheffeln. Zum Beispiel, indem man Mineralwasser mit ein paar Aromastoffen versieht und das dann teuer verkauft. Das macht nicht nur Römerquelle mit den "Emotion"-Drinks, sondern auch Vöslauer. Der niederösterreichische Mineralwasserabfüller bietet neuerdings in seiner "Balance"-Reihe auch die Geschmackssorte "Zitrone-Ingwer" an. Das erklärt uns zumindest die Verpackung. Tatsächlich ist das ziemlicher Schmafu.

Ohne die Etiketten würde niemand erraten, dass im Wasser Zitrone und Ingwer, Apfel und Cranberry oder Erdbeere und Pfeffer drin sind. "Zitrone-Ingwer" erinnert beispielsweise an kaum gesüßte Zitronenlimonade. Der Ingwer ist auf der Verpackung präsenter als im Geschmack. Zwar hat das Getränk eine würzige Note, aber die ist so verdünnt, dass die Assoziation mit Ingwer erst durch das Etikett entsteht.

Aber um den Ingwer geht es hier ja gar nicht so sehr. Es geht darum, sich noch schnell vor der Supermarktkassa etwas zu gönnen. Und dieses Bedürfnis bedienen Wasserabfüller wie Vöslauer oder Römerquelle perfekt: Sie nehmen einen Drink ohne Eigenschaften und machen daraus ein Lebensgefühl. Die "Balance"-Reihe etwa ist kalorienarm, schmeckt okay und verspricht uns für € 1,10 ein wenig Abwechslung. So durchschaubar diese Masche ist, sie funktioniert. Und wir sind den Leuten in Bad Vöslau auch gar nicht böse deswegen. Gutes Marketing eben. IB


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