Made in Bukarest: "Oceanul Mare" fängt das Leben dreier Chinesen in Europa ein

Steiermark | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

Filmkritik: Maria Motter

Es ist dunkel, es rauscht wie am Hafen in Shanghai. Doch es ist nur Regen, der an das Autofenster schlägt, und Shen Xiaoming fährt durch eine europäische Hauptstadt. "Diving into the ocean", erklärt Xiaoming, sei eine gängige Redewendung seiner Landsleute, wenn es um Geschäfte geht.

Mit Katharina Coponys "Oceanul Mare" taucht man in die Welt dreier Chinesen in Bukarest ein. Auf der Diagonale hat der Dokumentarfilm der 36-jährigen Grazerin, die hier Kunstgeschichte studierte, danach Mediengestaltung bei Peter Weibel in Wien sowie visuelle Kommunikation, diesen Freitag Premiere. Dicht bleibt Copony an ihren Protagonisten, Rumänen kommen kaum ins Bild, das Geschehen könnte zu Beginn überall auf der Welt spielen. Überall, wo chinesische Einwanderer ihr Glück versuchen. Wie Shen Xiaoming, Li Jianhua und Liu Yuexia.

Am nördlichen Stadtrand von Bukarest befindet sich der größte China-Markt Europas. Aneinandergereihte überdachte Stände bilden den Piat¸a Niro, wo von Turnschuhen an alles erhältlich ist. Auf dem angrenzenden Areal schoss 2003 eine Shoppingmall hoch, wie sie in asiatischen Städten stehen. Copony erzählt ihre Geschichte informeller Märkte und wirtschaftlichen Emporkommens nur durch ihre Protagonisten, verzichtet auf erklärende Inserts oder Kommentare. "Wie ein Dorf in China" fand die Geschäftsfrau Liu Yuexia Rumänien 1989 vor. Langsam nimmt dahinter die Kulisse Bukarest Gestalt an, wird zum Schauplatz. Der Blick aus einem Wohnungsfenster zeigt Plattenbauten, davor schwimmt ein Goldfisch im Aquarium. Unterschwellig ahnt man, dass der Shoppingkomplex "Dragonul Ros¸u" auf mafiösen Strukturen aufbaut.

Gerecht wird der achtzigminütigen Doku der englische Ausdruck: "photographed by" (Kamera: Bernhard Keller). So gut kann Doku aussehen.

"Oceanul Mare" Schubertkino, Fr 20.30, So 11.30


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