Doris Knecht

So viel zum Thema Körpergedächtnis

Selbstversuch

Kolumnen | aus FALTER 12/09 vom 18.03.2009

Die kulturellen Höhepunkte der letzten Woche: Hermes, Kreisky und Thomas Maurer, und danke, es reicht jetzt wieder für ein Zeitl. Nicht inhaltlich, inhaltlich war da, dort und drüben alles im grünen, ja im teils frühlingsgrellen Bereich, aber die Rahmenbedingungen. Die Rahmenbedingungen überlappen meine Kampfkraft massiv. Immerhin kann ich von Maurers kolossalem "Aodili"-Abend (den schauen Sie sich bitte umgehend an) Folgendes sagen: Ich stand aufrecht bis zum letzten Glas. Was ich vom Kreisky-Abend nicht behaupten kann. Vor den Zugaben, um halb drei Uhr früh, wartete ich vor dem Flex-Klo und wunderte mich, wie man von ein paar Sommerspritzern mit einem Mal so blunznfett sein kann. Das Nächste, was ich sah, waren drei 19-Jährige, die besorgt auf die merkwürdige alte Frau herniederblickten: Alles in Ordnung? Ja, danke. Ich kann jetzt wieder aufstehen. Ich kann nur einen Kreislaufkollaps nicht mehr von einem Fetzen unterscheiden.

Früher konnte ich das. Früher wurde man hin und wieder, wenn es die Situation erforderte, aus dem Chelsea hinausgetragen und lernte schließlich, wie sich das anfühlt, wenn man jetzt dann gleich ohnmächtig umfällt. Und was? Der Organismus hat es vergessen, nach nur zehn Jahren, so viel zum Thema Körpergedächtnis. Aber ich habe eh nicht vor, derlei in näherer Zukunft zu wiederholen. Haben wir nämlich etwas daraus gelernt? Ja, haben wir. Zum Beispiel, dass ein Leberkässemmerl zu Mittag keine ausreichende Unterlage für einen multistationigen Gemma-Abend ist. Zum Beispiel, dass Rauchen auch schlecht für die Kreislaufstabilität ist. Zum Beispiel, dass man, wenn einem schlecht ist, direkt an die Frischluft soll, ohne Umweg aufs Klo.

Danach wollte mich der 2-Meter-Security-Riegel nicht mehr ins Flex lassen, obwohl ich einen Stempel auf meinem Unterarm vorweisen konnte. Das sei nicht der Stempel. Ich bellte ihn an, dass, Entschuldigung, dieser Stempel vom Chef persönlich appliziert worden sei, also dürfte ich BITTE!? Ich durfte. Viel später, als ich im Backstageraum eine Banane aß - immer gibt's Obst in Backstageräumen, und noch nie habe ich einen Musiker etwas davon essen sehen - erblickte ich auf meinem anderen Arm einen weiteren Stempel. Der wär's gewesen. Entschuldigung, Herr Security: meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld.

Das gleichnamige Kreisky-Album kaufen Sie sich übrigens bitte jetzt gleich. Und das alte dazu. Und schauen Sie sich ein Konzert von den Burschen an. Und den Austrofred im Rabenhof. Und kaufen die Bücher vom Austrofred. Und das Buch vom Franz Adrian Wenzl. Der Wenzl-Franz ist definitiv State of the Pop-Art. Der Wenzl-Franz hat das Talent, die Eier und den Stil. So muss das klingen, so muss das ausschauen, so will man zum Lachen gebracht werden, so muss das im Bauch wirken und so im Kopf. So muss man das machen, genau so.


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