Am Apparat

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 13/09 vom 25.03.2009

Knackst es in der Leitung, wenn ich abgehört werde, Herr Maier?

Was haben Helmut Zilk und Norbert Darabos gemeinsam? Ihre Zimmer wurden verwanzt. Während im Luster des Altbürgermeisters ein Abhörgerät steckte, wurde beim Sprecher des Verteidigungsministers das Telefon belauscht. Wie so eine Wanze funktioniert, erklärt Privatdetektiv Bernhard Maier (36).

Die meisten Menschen kennen Wanzen nur aus Hollywoodfilmen. Ist es auch in Österreich üblich, Wanzen einzusetzen?

Ja, natürlich ist das auch in Österreich üblich. Und es sind nicht nur klassische Nachrichtendienste, die das tun. Die Technologie hat sich stark vereinfacht. Dadurch ist es heute auch einem Laien möglich, jemanden abzuhören.

Wie schaut so eine Wanze aus? Ist das wirklich ein Ding in Knopfform?

"Wanze" ist ja nur ein Überbegriff für ein Minimikrofon, das versteckt eingebaut wurde. Meistens haben diese Mikrofone schon die Form eines Knopfes. Und oft werden sie gar nicht entdeckt, weil sie in Geräten eingebaut sind. Vorzugsweise Dinge, die permanent unter Strom stehen wie ein Fernseher oder eine Tischlampe.

Wie merke ich, dass ich abgehört werde. Knackst es in der Leitung?

Das Knacksen ist eine Mär. Das war vielleicht vor meiner Zeit so, als ich noch Milupa gegessen habe. Heutzutage knackst nichts mehr in der Leitung. Wenn es knackst, deutet das eher auf ein kaputtes Telefon hin.

Aber wie finde ich dann eine Wanze?

In den meisten Fällen durch physische Suche. Das heißt, man durchsucht oder zerlegt alle Geräte, in denen eine Wanze stecken könnte.

Kann man auch ohne Wanze abhören?

Ja, da gibt es einige Möglichkeiten. Man kann etwa Räume durchs Fenster mit Lasermikrofonen abhören.

Klingt kompliziert. Gibt es auch einfachere Techniken?

Eine fast idiotensichere Methode ist, sich ein Diktiergerät zu kaufen, das es in jedem Saturn oder Media Markt gibt. Das klebt man dann in einem Büro auf die Unterseite eines Tisches. Klingt banal, ist aber wirkungsvoll.

Interview: Ingrid Brodnig


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