Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Matthias G. Bernold | aus FALTER 13/09 vom 25.03.2009

Warum bewirbt niemand den Ramadan, Herr Drössler?

Meinl-Mohr, Negerküsse und jetzt: der "Wildnis ins Gesicht" schauen. Die jüngste Kampagne des Reiseveranstalters Sta Travel knüpft erfolgreich an die Tradition von Werbelinien an, die Kolonialklischees von Exoten und Wilden bedienen: Von dem Werbefoto lächelt das Gesicht eines traditionell gekleideten Afrikaners, darunter prangt der Slogan.

Dabei wäre der kreative Umgang mit Minderheiten das Gebot der Stunde, glaubt Peter Drössler von der Wirtschaftskammer Österreich. Er hat gerade den Blog www.diversitymarketing.at ins Leben gerufen, der sich mit Marketing befasst, das auf die Vielfalt der Gesellschaft abstellt. "Das ist nicht nur politisch korrekt. Da liegt ein Geschäft drinnen", sagt Drössler und verweist etwa auf die Gruppe der Moslems in Wien. Statt Stereotype zu gebrauchen, ginge es um den kreativen Umgang mit Minderheiten. "Das ist ein gewaltiger Markt, der von der Werbung überhaupt nicht bedient wird. Oder haben Sie schon einmal von einer Werbekampagne für den Ramadan gehört?" Zu einfallslos gehe die Kreativindustrie mit Minderheiten um. "Es gibt weder Zielgruppenwerbung für Ethnien noch für Behinderte oder für Schwule."

Das umstrittene Sujet mit dem Afrikaner hat Sta Travel von der Homepage inzwischen entfernt, nachdem es vom Werberat verurteilt wurde. Das Unternehmen entschuldigte sich in einer Stellungnahme. Für Simon Inou vom Verein M-Media, der sich beim Werberat beschwert hat, reicht das dennoch nicht: "Immer, wenn so etwas passiert, gibt es Entschuldigungen. Aber es fehlt den Leuten an Sensibilität."

Statt des Afrikaners blickt jetzt übrigens ein asiatischer Mönch ins Auge der Kamera: "Schau der Entspannung ins Gesicht", ist darunter zu lesen. Das ist zwar auch kein Geniestreich, aber wenigstens nicht verletzend.


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