Wien, wo es isst

Kulinarischer Grätzel-Rundgang

Stadtleben | aus FALTER 13/09 vom 25.03.2009

Radetzky- & Kolonitzplatz: Gasthaus auf verbrannter Erde

Lokalaugenschein: Florian Holzer

Der Landstraßer Bezirksteil Weißgerber hat keine gute Vergangenheit. Die Gegend galt als überschwemmungsgefährdet, stinkende und giftige Gerbereien gab's hier einmal, außerdem wurden auf der sogenannten "Gänseweide" (beim Hundertwasserhaus) bis ins 18. Jahrhundert Hinrichtungen vollstreckt. 1421 wurden dort 212 Juden auf Befehl von Herzog Albrecht V. gefoltert und verbrannt, 1583 fand Wiens einzige Hexenverbrennung statt. Ein Hetz-Theater, in dem Tiere vor 3000 Zusehern zu Tode gehetzt wurden, gab es auch. Keine so tolle Gegend also.

Rettung durch das Wild

Und irgendwie merkt man das auch heute noch: Das Grätzel ist quasi tot, man findet zwar noch Einzelhandelskuriositäten wie Vorhangnähereien und Ansichtskartenverlage, aber überleben können hier offenbar nur Friseure. Von denen hat's rund um Radetzky- und Kolonitzplatz reichlich.

Insofern war die Erleichterung verständlich, als Erhart Auer


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