Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 13/09 vom 25.03.2009

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter

Babeln in der Bassena

Wir haben sie fast vermisst, die bunten PR-Strecken in Gratisblättern, mit denen die Werberin Claudia Babel im letzten Wahlkampf den Bollwerk- in den Wohlfühlhausbürgermeister Siegi Nagl verwandelte. Nun, freuet euch, es babelt wieder! Vergangenen Sonntag durfte Nagl, mit aufgeknöpftem Hemd aufs schwarze Ikea-Ledersofa gefläzt, wieder fröhlich aus dem Grazer lächeln und im Beinhartinterview erklären, wie er das "Haus Graz" künftig zu ordnen gedenke.

Ein wenig Image-Politur tat offenbar not, nachdem Nagls ÖVP-Parteifreundin, die Bau-Stadträtin Eva Maria Fluch, diesem "Haus" und dessen Chefverwalter mit einer Auftragsvergabe an ihren Lebensgefährten untreu geworden ist. Ihr in peinsamen Etappen vollzogener Rücktritt und der in Folge klaffend leere Platz der Stadträtin im letzten Gemeinderat - das war kein schönes Bild. Im Gemeinderat selbst war das natürlich genauso wenig Thema wie das erneut offenkundige Kompetenzproblem der Regierung in Sachen Stadtplanung. Weder für die SPÖ, die zagt, und schon gar nicht für die Grünen, die sich öffentlich praktisch jeglicher Querschüsse gegen den Koalitionspartner enthalten.

So war das oppositionelle Feld also wieder frei für Aufpudlerei aller Art. Für den orangen Fraktionsvorsitzenden Gerald Grosz vor allem, der sich gerne zum Auskehrer des "Hauses" stilisiert. Grosz, das muss man ihm lassen, fand mit der schlampigen Praxis der Auftragsvergabe der Stadt-ÖVP eine lohnende Wunde, in der er freilich lieber genüsslich stierlte, als durch konstruktive Kritik des Vergabewesens der Stadt und ihrer Beteiligungen ein wenig zur Heilung beizutragen. "Gerüchte" statt Argumente. Freuet euch, es hausmeistert wieder!


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