Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 13/09 vom 25.03.2009

Das Mileau* hat sich verändert

Der Grazer berichtet, dass das Rotlicht-Geschäft insgesamt unter Einbußen leidet, aber neben Transvestiten der Bereich des Akademikerinnensex stärker nachgefragt wird denn je. Studierte und Studienabbrecherinnen können hier gute Einnahmequellen erschließen. Warum? Möglich wäre, dass hier Ängste vor sozialem Abstieg bearbeitet werden, Akademikerinnen stehen immer noch für irgendwie mindestens Mittelschicht, von einer geliebt zu werden heißt fast automatisch, dass man auch selber halbwegs gut unterwegs ist auf der sozialen Stufenleiter. Umgekehrt gilt das nicht genau so. Männer ehelichen signifikant eher Frauen mit niedrigerem Status als umgekehrt, was für Männer, die in ihrer Identität eh total verwirrt und eingeschüchtert sind, natürlich problematisch ist, weil der Markt immer kleiner wird. Also: Kompensation. Zünftige autoritäre Machtphantasien, die aber leichter auszuleben wären, wenn man als Nazi, Kampfkatholizist oder Djihadist nicht automatisch von lauter Kasperlfiguren umgeben wäre. Ansonsten noch im Identifikationsangebot: Er beschützt den Papst und russische Oligarchen, begeistert Gouverneure und Könige und macht Militärs in aller Welt mobil. Dabei hielt sich die Begeisterung für den Grazer Extremisten anfangs in Grenzen. Preisfrage: Wer ist der Grazer Extremist, von dem die Kleine Zeitung hier spricht?

*© der Grazer online

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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