Gefinkelte Beats für die tanzende Netzhaut

Lexikon | Florian Obkircher | aus FALTER 13/09 vom 25.03.2009

Das Audio-Visual-Festival sound:frame geht in die 3. Runde

Das Musikvideo, eine Erfindung der Popkultur? Keineswegs, sagt Eva Fischer, Kuratorin des sound:frame-Festivals. Bereits in den 1920ern arbeitete der deutsche Filmmacher Oscar Fischinger in atemberaubender Weise an der Verquickung von Ton und Bild. "Er hat damals aus der Tonspur am Filmstreifen verschiedene Rhythmen herausgelesen und darauf die Bildspur geschnitten. So ist in fast einjähriger Kleinstarbeit ein abstraktes Musikvideo zu einem Stück von Bach entstanden", sagt Fischer. Ein Grund, den Großeltern der VJ-Zunft Tribut zu zollen und die heurige, dritte sound:frame-Edition dem Thema "Evolution Remixed!" zu widmen.

In der Ausstellung im Künstlerhaus, dem Zentrum des Festivals zur Visualisierung von elektronischer Musik, huldigen internationale VJs ihren Vorfahren. So gibt's einen digitalen Nachbau eben jenes Fischinger-Films von den Videokünstlern Wemakevisuals. Auf Screens werden Pioniertaten des Genres gezeigt, Luma-Launisch präsentieren dort ihre Installation "Need for night", das den Besucher mit gefinkelten Projektionen in Clubs von Berlin bis New York beamt. Inklusive virtuellen Tänzern, Sounds und Schweißflecken.

Natürlich geizt das Festival auch nicht mit echten, visualbetonten Clubreizen: An den fünf Wochenenden bauen über 130 DJs, VJs und Live-Acts ihre Beamer in zehn Locations auf.

Karl Bartos of Kraftwerk-Fame beispielsweise lässt im Gartenbau mit einer Live-Cinema-Performance seine Roboter-Tage Revue passieren (28.3.), der Berliner Techno-Hero Paul Kalkbrenner reist mit Plattentasche und seinem neuen Spielfilm "Berlin Calling" an, der im Filmcasino seine Österreichpremiere feiert (25.4.). Daneben gibt's natürlich jede Menge Workshops, Podiumsdiskussionen und Filmscreenings - alles im Zeichen der Audio-Vision, alles zur Freude von Netzhaut und Trommelfell.

Bis 26.4., Information: www.soundframe.at


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