Kritik

Die Jugend von heute: cool, aber uninteressant

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 13/09 vom 25.03.2009

Dem 2007 uraufgeführten Stück "Lieblingsmenschen" von der jungen Schweizerin Laura de Weck eilt ein guter Ruf voraus. Im Theater in der Drachengasse ist von der witzig-gescheiten Darstellung der SMS-lastigen Kommunikationsdichte bei gleichzeitig mangelnder Erlebnisfähigkeit - angeblich typisch für junge Leute - wenig geblieben. Die Figuren sollen wohl vor allem cool sein, wobei der Coolste, Medizinstudent Philipp, gar nicht auftritt. Aber an der Reaktion der anderen auf sein reaktionäres Verhalten ist so etwas wie Bewunderung abzulesen. Regisseurin Margit Mezgolich, hauptberuflich als Co-Direktorin im Tag, lässt ihren fünf jungen Studenten wenig Chancen, Charakter zu zeigen, und auch die mittels Cue-Cards nachempfundene SMS-Kommunikation ist rhythmisch teilweise unleserlich abgestimmt. Die Figuren bleiben nach außen hin grell und fordernd, ansonst aber uninteressant. Am Ende sehnt man sich danach, jenem Philipp zu begegnen, der sich dieser äußerlichen Welt bereits entzogen hat.

Theater Drachengasse, täglich außer So/Mo 20.00 (bis 18.4.)


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