Kritik

Afghanistan ist weit: Dea Loher im Kosmos

Lexikon | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 13/09 vom 25.03.2009

Im Jahr 2005 reiste die deutsche Theaterautorin Dea Loher nach Kabul, um sich ein Bild über die Lage im Kriegsgebiet zu machen. Das Resultat ist "Land ohne Worte", der innere Monolog einer Schriftstellerin. Nachhause zurückgekehrt, fehlen ihr die Worte für das Gesehene, und so träumt sie sich in eine Parallelexistenz als Malerin hinein. Das macht die Sache freilich nicht leichter: Wie das greisenhaft wirkende Bettelmädchen, das sich tief in die Wahrnehmung eingebrannt hat, auf die Leinwand bringen? Wie die trockene Luft und den Gestank malen, die einen auf Schritt und Tritt begleiten?

Die von Evelyn Fuchs inszenierte österreichische Erstaufführung im Kosmos Theater hat alle Hände voll zu tun, das Selbstgespräch der Künstlerin/Autorin zum Leben zu erwecken. Der wacker das Repertoire der Verstörung und Verzweiflung durchspielenden Hauptdarstellerin (Diana Kashlan) stellt sie als Äquivalent zum Chor im antiken Drama fünf Muslima gegenüber. Die enthüllen im Laufe des Stücks nach und nach ihre anfangs komplett verschleierten Gesichter. Sie zu zeigen ist eine gute Idee, denn die Reisende nimmt das Leben in Kabul sonst nur beiläufig wahr. Ihr Blick geht mehr nach innen.

"Land ohne Worte" will zeigen, wie schwierig es ist, mit Worten oder Pinselstrichen das für unsere Lebensverhältnisse unvorstellbare Leid abzubilden. Nach diesen Maßstäben gemessen scheitert der Text. Er lässt sich auf seinen Gegenstand nur halbherzig ein. Afghanistan ist weit, weit weg.

Kosmos Theater, Fr, Sa, Mi, Do 20.30 (bis 4.4.)


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