Neu im Kino

Finale im Regenwaldcafé: "Der Kaufhaus-Cop"

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 13/09 vom 25.03.2009

Paul Blart (Kevin James, der "King of Queens" aus dem Sitcom-Fernsehen) muss dafür sorgen, dass nichts den Warenfluss stört. Der Alleinerzieher, den Übergewicht und Unterzucker plagen, ist Sicherheitsbeamter eines Einkaufszentrums, wäre aber lieber richtiger Gesetzeshüter.

Steve Carrs Komödie "Der Kaufhaus-Cop" erfüllt ihm seinen Wunsch, nicht nur im Titel: Als eine Geiselnehmerbande das Shoppingcenter unter Kontrolle bringt, nimmt der patscherte Blart im Alleingang den Kampf auf und mausert sich zum Helden. Die Konsumzone zwischen Sportgeschäft und Regenwaldcafé wird dabei zum Action-Parcours à la "Stirb langsam" oder "Kevin allein zuhaus" umfunktioniert; an das Blockbusterkino um 1990 erinnern auch der stilecht penetrante Kaufhauspop auf der Tonspur und ein Bösewicht, der dem jungen Christian Slater in Aussehen und krampfigem Schauspiel verblüffend ähnelt.

Vom derben Schmäh und beiläufigen Raffinement vieler aktueller US-Komödien ist diese betont familienfreundliche Adam-Sandler-Produktion weit entfernt, und aus dem Mall-Szenario holt das Drehbuch von Nick Bakay und Hauptdarsteller James zu oft nur das jeweils Nächstliegende heraus.

Einnehmend ist dagegen die ganz unironische Zuneigung, die "Paul Blart, Mall Cop" (so der Originaltitel) zu seinen semiproletarischen Hauptfiguren aufbaut: Das Ausspannen nach der Arbeit in einem Shoppingcenterbeisl ("American Joe's") oder eine romantische Fahrt zu zweit am Elektroroller durch die Mall werden unverschämt künstlich und klischiert, aber ganz ohne Häme in Szene gesetzt. Einen besseren Film hätte sich James' hochmotivierter Slapstick trotzdem verdient.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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