Neu im Kino

Ort, Schuld, Gedächtnis - "Die Auschwitz-Dialoge"

Lexikon | Michael Omasta | aus FALTER 13/09 vom 25.03.2009

Oswiecim, zu Deutsch Auschwitz, ist auch über 60 Jahre nach der Befreiung der in unmittelbarer Nähe gelegenen Vernichtungslager der Nationalsozialisten immer noch heiß umkämpftes Gebiet. Das kommunistische Regime nach dem Krieg erklärte es zum polnischen, der Rest der Welt zu einem jüdischen Gedächtnisort. Inmitten dieses Konflikts stehen die Stadt und die Leute, die heute dort leben und zwischen "zwei Wahrheiten" aufgerieben zu werden drohen. "Die Auschwitz-Dialoge" heißt die Doku zweier Studenten, des Politologen Johan Robberecht (Buch) und des Filmemachers Marian Ehert (Regie), die 2005 nach Oswiecim aufbrachen, um die mitunter diametral entgegengesetzten Standpunkte und Interessen der Weltöffentlichkeit und der Einwohner der Stadt zu ergründen. Dabei wurden sie mit Tiefen und Untiefen der Gedächtniskultur konfrontiert, mit Jugendarbeitslosigkeit und kaum verhohlenem Antisemitismus. "Wir müssen die Juden einfach loswerden", lallt eine zugekiffte junge Frau schamlos in die Kamera. Der letzte jüdische Bewohner von Oswiecim verstarb 1999.

Ab Fr im Schikaneder (OmU)


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