Ohren auf!

Sammelkritik


Klaus Nüchtern
Lexikon | aus FALTER 13/09 vom 25.03.2009

Entgegen anderslautenden Behauptungen sitzt es sich zwischen den Stühlen recht bequem. So gehört es mittlerweile zum guten Ton, dass Jazzsängerinnen nicht einfach Jazz singen, sondern ihre "Popsensibilität" einbringen. So gesehen ist es fast schon wieder bemerkenswert, dass Diana Krall ein ziemlich straightes Jazzalbum eingespielt hat: "Quiet Nights" (Verve/Universal) setzt einerseits auf Bossa Nova (drei Songs stammen von Antionio Carlos Jobim), andererseits aufs Great American Songbook: unkaputtbare Klassiker, die auch den Gendertransfer ("The Boy from Ipanema", "I've Grown Accustomed to His Face") unbeschadet überstehen. Die Streicher werden vergleichsweise dezent eingesetzt, der Gesang entspricht dem sorgsam verstrubbelten Haar der Sängerin am Cover: Gestylte Intimität, die ein bisschen nach Zu-spät-ins-Bett-oder-zu-früh-aus-dem-Bett-oder-beides klingt und in ihrer koketten Anlassigkeit auch ein klein wenig nerven kann.

"Closer to You. The Pop Side" (Blue Note) benennt Cassandra

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