Theater Kritik

Mutlose Würdigung einer Tapferen

Steiermark | Gregor Schenker | aus FALTER 13/09 vom 25.03.2009

Milli Deutsch winkt dem versammelten Theaterpublikum im Schauspielhaus Graz zu, das ihr stehende Ovationen erweist, die Schauspieler auf der Bühne kämpfen mit den Tränen. Dass die 88 Jahre alte Dame, die während des Zweiten Weltkrieges in Eisenerz Widerstandskämpfer in ihrer Wohnung versteckt hielt, so gewürdigt wird, ist der Uraufführung von Franzobels Stück "Prinzessin Eisenherz" zu danken, das die Geschichte von Frau Deutsch behandelt.

Franzobel wollte sich dem prekären Thema mit einer Groteske annähern, die die Absurdität des menschlichen Verhaltens in der Nazizeit ins Aberwitzige überhöht. Unter der Regie von Georg Schmiedleitner gerät die Groteske allerdings zur verharmlosenden Posse, die die Absurdität ins Pummelwitzige verklärt und das Gefühl überlässt, sich als Gutmensch selbst auf die Schulter klopfen zu können. Wenn der Sohn von Frau Deutsch (Sebastian Reiß) darüber spricht, dass von den Widerstandskämpfern von damals nach dem Krieg niemand etwas wissen wollte, so bleibt dies eine Randnotiz bei einer Gelegenheit, die für Diskussionen sorgen hätte können, aber zugunsten einer Aufführung vergeben wurde, die wirkt wie die moderne Adaption eines Nestroys.

Schauspielhaus Graz, 25., 26.3. und 1.4. 19.30


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