Theater Kritiken

Theater, das echt betroffen macht

Steiermark | Thomas Wolkinger | aus FALTER 13/09 vom 25.03.2009

Den Stoff zu "Der Rassist" hat sich Franz Blauensteiner aus dem Leben geschnitten. Beim Blick aus seiner Wohnung am Volksgarten kann er Jugendliche beim Drogendealen beobachten, den täglichen Multikulturkampf im Park erlebt er seit Jahren am eigenen Leib. Aus dieser Betroffenheit hat Blauensteiner für das Werkraumtheater zwei Monologe gezogen, den eines "Rassisten" und den einer "linksliberalen Europäerin" (Rezka Kanzian), die er in holzschnittartiger Dialektik, mühsamer Redundanz und praktisch ohne Dramatisierung auf karger Bühne aneinander vorbeireden lässt. Zwischendurch sind Videos zu sehen, mit denen Blauensteiner Drogendeals und andere Parkszenen heimlich durchs Fenster dokumentiert hat. Das ist nicht nur rechtlich problematisch - weil die ungefragt gefilmten Personen pauschal unter Kriminalitätsverdacht geraten -, sondern auch, weil der Text, für den Blauensteiner den Menschen "aufs Maul gschaut" hat, um Rassismen ursächlich zu ergründen, den schmalen Grat zur Klischeeaffirmation regelmäßig überschreitet. Am Ende greift der "Rassist" zur Waffe und ballert in den Park. Ein echtes Problemstück.

Theater am Ortweinplatz, Fr 12.00 u. 19.00,

Sa 19.00; Mo, Di, Mi, Do 12.00


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