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Politik | aus FALTER 14/09 vom 01.04.2009

Wie schützt man sich vor Ihnen, Herr Einbrecherkönig?

Die Zahl der Einbrüche hat sich in Wien verdoppelt. Nun fordert Innenministerin Maria Fekter härtere Maßnahmen. Nützt das was? Ernst Walter Stummer sagt, er habe etwa 2000-mal eingebrochen. Der Einbrecherkönig Wiens saß laut eigenen Angaben 30 Jahre lang in Haft. Demnächst erscheint seine Autobiografie.

Herr Stummer, wieso gibt es in Wien so viele Einbrüche?

Der Einbruch ist leichter als der Betrug und harmloser als der Raub. Als Einbrecher kommt man auf den Geschmack und denkt sich: "Heast des is leiwand. Da kannst du dir alles nehmen!"

Wie ist es, wenn man in einer fremden Wohnung steht?

Es interessiert einen nicht, wer da wohnt. Man sucht nur nach Wertsachen.

Sind die leicht zu finden?

Klar. Im Schreibtisch unten rechts ist die Handkassa. Im Wäscheschrank ist Bargeld. Im Bücherregal sind Münzen, im Nachtkastl der Schmuck.

Wieso werden die Einbrecher so selten geschnappt - trotz DNA-Fahndung?

Ich hab einmal einen Kollegen aus Moldawien gekannt. Er saß mit mir im Gefängnis. Der hat immer Zigaretten und Taschentücher auf der Staße aufgehoben. Sag ich zu ihm: "Oida, was machst du da?" Er hatte die Zigaretten am Tatort verstreut und damit die DNA-Fahndung unmöglich gemacht. Ein anderer hat einmal das Blut eines anderen auf ein Fenster geschmiert. Der arme Kerl ist dann zu zweieinhalb Jahren verurteilt worden, obwohl er ein Alibi hatte.

Wie kann man sich schützen? Ein Hundenapf vor die Türe? Kinderschuhe? Licht brennen lassen?

Das nützt nichts! Wir brechen dann nicht ein, wenn wir wissen, dass die Familie arm ist. Nicht aus Mitleid, sondern weil nichts zu holen ist. Mühsam sind die neuen Sicherheitstüren. Aber die kann man mit einem Wagenheber aufknacken. Es macht allerdings einen Wirbel. Den sollte man als Einbrecher vermeiden.

Interview: Florian Klenk


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