Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Nina Horaczek | aus FALTER 14/09 vom 01.04.2009

"Was macht der Ficus Benjamin im Parkettboden, Herr Latzka?"

Es hat sich ausgebüscht. Auch Da Vincis Mona Lisa braucht keine "Dübèl" mehr. Der Heimwerkermarkt Obi hat nach seiner Kampagne für die Obi-Kundencard, die im Louvre und im historischen Irrgarten angesiedelt war, nun "Die Selbermacher" entdeckt. Die leben in selbst dekorierten, flamingopinken Badezimmern, pflanzen ihr Lieblingsbäumchen mitten im Wohnzimmer ins Parkett oder bleiben beim Lampenmontieren an der in der Zimmerdecke stecken gebliebenen Bohrmaschine hängen.

"Es geht uns darum, die Leute zu aktivieren, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und ihren Wohnraum zu verschönern", sagt Markus Latzka, Account Director für Obi von der Werbeagentur Wirz, die auch die vorige Kampagne von Obi mit der Mona Lisa gestaltet hat.

Mit der neuen Selbermacherkampagne sei man übrigens ganz auf der Linie der Österreicher, meint Latzka. Seit einiger Zeit schon sei der Trend zum Cocooning, also zum Rückzug ins häusliche Privatleben zu verzeichnen - eine Tendenz, die sich auch in der zunehmenden Zahl an "Do it yourself"-Heimwerkersendungen widerspiegelt.

Wer zuhause bleibt, will sich natürlich in einen schönen Kokon einspinnen. "Auch die momentane Finanzsituation führt dazu, dass sich die Leute ihre Kleinigkeiten wieder selber machen", sagt der Werber.

Weil beide Tendenzen jung und alt betreffen, sind auch im Fernsehspot vom Kind bis zur Oma alle Generationen abgelichtet.

Fragt sich nur, ob der durchschnittliche österreichische Heimwerker genauso mutig ist wie die Selbermacher von Obi. "Nichts ist vor ihnen sicher", heißt es im Werbespot, "sie bohren sich durch Wände, sie graben sich durch Gärten, sie spachteln, pinseln und verzieren." Da kann man nur noch in Deckung gehen.


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