Stadtrand

Urbanismuskolumne

Christopher Wurmdobler | Stadtleben | aus FALTER 14/09 vom 01.04.2009

Wien ist gar nicht so. Wien ist viel, viel netter!

Hat sich hier eigentlich schon einmal irgendwer darüber beschwert, dass der Wienmensch unhöflich, ungehobelt und unverschämt ist? Eben! Wie nett Bewohnerinnen und Bewohner dieser Stadt wirklich sind, zeigte sich unlängst wieder innerhalb weniger Stunden. Zuerst wies die ansonsten recht mürrische Sprechstundenhilfe den Autor dieser Zeilen nach einem anstrengenden Zahnarztbesuch darauf hin, dass er noch das ganze Gesicht voller Blut hätte und er doch so sicher nicht auf die Straße rauswolle. Wenig später stoppte eine Autofahrerin neben ihm, kurbelte das Beifahrerfenster herunter und warnte: "Dein Schuhband ist offen." Hätte grad noch gefehlt, dass die Sitznachbarin in der Straßenbahn mütterlich auf ein Taschentuch spuckt und ihm letzte Blutkrusten vom Kinn putzt. Zuhause angekommen, fand sich dann auch noch ein persönlich adressiertes, halb aufgerissenes DPD-Paket im Stiegenhaus. Ein hilfsbereiter Nachbar hatte es offenbar entgegengenommen und den Empfang bestätigt. Mit gefälschter Unterschrift.


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