Phettbergs Predigtdienst

Wir sind die totale Kybernetik!

Kolumnen | aus FALTER 14/09 vom 01.04.2009

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

In sich versammelt sein ist jedes Menschen Wichtigkeit! So also auch bei mir. Oberflächlich vernarrte ich mich in prallenge Jeans. Es waren steife Hosen aus grobem Segeltuch, die schwer rissen und darum eine Fahrt über Ozeane aushielten. An diese Hosen, sensationell eng, konnte ich nicht aufhören, voll Sehnsucht zu denken. Wahrscheinlich vergleichbar der Lust eines jeden Babys gegenüber seinem ersten Visavis von Windeln!

Der Mensch ist a priori voll Liebe. Worüber du verfügen kannst oder willst, dazu hast du eine positive Beziehung. Ich hab noch nie gehört, dass ob Windeln zwischen zwei Babys ein Streit ausgebrochen wäre. Also würde ich sagen, die Jeans sind eine Fortsetzung der Windeln. Und darum war es immer ein Aufschrei, wenn Jeans gewaschen werden mussten. Urin ist ein Zeichen von Besitzanspruch.

Dass ich nach jedem Schläfchen Lulu muss, ist ein Zeichen: Der Schlaf war mein Besitz! So ist erklärlich, dass immer ein Lackerl bevorratet bleibt, es könnte ja jederzeit gebraucht werden. Ich kann nicht aufhören, den Computer unserer Körper zu bestaunen: Wir sind die totale Kybernetik!

Jedes Lebewesen - ob Fauna oder Flora - sorgt für seinen Betrieb. Jahrmillionen Entwicklung bildeten uns. Und speicherten alle möglichen Phänomene. Ich hab bis jetzt nur einen kleinen Bruchteil des in mir Gespeicherten an Software abgerufen. Insofern bin ich stur konservativ.

Und jetzt ist alles mit mir aus? Ich kann's nicht fassen. Ich krieg es nicht in mich hinein, dass ich nicht mehr benötigt werde. Woche um Woche summiere ich meine Ungefragtheit. Ich hab nichts studiert und steh als stinkfaul und unbefragt da! Und je weniger ich von mir gebe, desto zufriedener sehe ich die Umwelt. Ich krieg mich nicht auf die Reihe. Es zeichnet sich absolut nichts Konzeptives mehr ab.

Winziger geht's nimmer: der Ungefragteste über seine Windeln! Wenn ich in ein SM-Lokal aufbreche, entdecke ich, dass selbst solche Lokale ein Alkoholgeschäft sind. Sogar in offen sexuell sich nennenden Lokalen bleibt das Liieren immer verdunkelt und geheim. Wenn ein Raumschiff daherkäme, würde kein Außerirdischer ahnen, dass es hier um Sex geht.

Ich hab es nie begriffen, weil es ja nichts zu be-greifen gibt. Es ist ein geistiges Geschäft, die Verliebtheit!

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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