Kirchenschiff und Absturzkneipe

Lexikon | Matthias Dusini | aus FALTER 14/09 vom 01.04.2009

Das Kunsthistorischen Museum zeigt Interieurmalerei

Das Kunsthistorische Museum widmet sich einem vernachlässigten Thema der Kunstgeschichte: der Interieurmalerei. Die Ausstellung "Raum im Bild - Interieurmalerei 1500 bis 1900" dokumentiert vergangene Lebenswelten, die Ansichten von Wohnräumen geben aber auch Auskunft darüber, welche Position die Malerei in der adeligen und bürgerlichen Selbstdarstellung einnimmt.

In den Wohnhäusern der Wiener Vormärzzeit sind etwa die Wände dicht mit Bildern behängt; Landschaften und eben Interieurs treten an die Stelle von Göttern und Heroen. Die Maler konnten in diesem Bildertypus ihre Fähigkeit unter Beweis stellen, Sonnenlicht und Kerzenlicht oder die Oberflächen von Holz und Stoff abzubilden.

Das Bild des Innenraums erzählt auch vom Standpunkt des Malers selbst und seiner Technik, die ja selbst der Erschließung imaginärer Räume dient. Es handelt sich bei der Interieurmalerei also um ein selbstreflexives und in diesem Sinne hochmodernes Genre, das von Karl Schütz, dem Direktor der Gemäldegalerie, im KHM aufbereitet wird.

"Das Interieur ist die vielseitigste Bildgattung der Malerei überhaupt", sagt Schütz. Es könne das Porträt mit dem Stilleben und die Heiligenlegende mit einer profanen Werkstatt verbinden.

Die Bilder stammen durchwegs aus eigenen Beständen sowie weiteren Wiener Sammlungen, der Albertina oder dem Liechtenstein Museum. Die Geschichte des Interieurs wird von der Renaissance bis zum 19. Jahrhundert erzählt.

Ein Schwerpunkt liegt auf der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, in der sich die Themenvielfalt des Interieurs in voller Breite entfaltet - von der großartigen Leere des Kirchenraums bis zu Absturzkneipen. Auch dabei die Atelierbilder der Romantik. Hier sieht man, worauf die Malerei hinausläuft: auf leere Wände mit ein paar Schmutzflecken.

KHM, bis 26.4., Information: www.khm.at


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