Kritik

Viel Text, wenig Spannung: Henry James im Kasino

Martin Lhotzky | Lexikon | aus FALTER 14/09 vom 01.04.2009

Alles muss Sabine Haupt alleine machen - Videoeinspielungen, Musik, Kostümwechsel (von Creme-weiß auf Trauerschwarz). Ach ja, und einen Text gilt es auch noch aufzusagen. Wohl, weil Oscar Wilde die Erzählung "The Turn of the Screw" von Henry James als eine "höchst wunderbare, grausige kleine Geschichte" bezeichnet hat, fiel die Entscheidung, den Stoff unter dem Titel "Die Besessenen" als One-Woman-Show ins Kasino am Schwarzenbergplatz zu bringen. Eine junge viktorianische Gouvernante soll auf zwei Waisenkinder im Landhaus des wohlhabenden Onkels aufpassen, trifft aber bald auf mysteriöse Erscheinungen mit fatalen Folgen für die Kleinen. Ob nun sie verrückt ist oder das Haus verflucht, wird weder aus Henry James' Text noch aus der dramatisierten Fassung ersichtlich. Einer beachtlichen Leistung von Sabine Haupt steht ein spröder und langweiliger, kaum gekürzter Text entgegen. Auf Oscar Wilde darf man sich eben doch nicht immer verlassen.

Burgtheater-Kasino, So 20.00 (nächste Vorstellung: 2.5.)


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