Neu im Kino

"Religulous" der große Religionsschwindel

Joachim Schätz | Lexikon | aus FALTER 14/09 vom 01.04.2009

Religionen verkaufen ein unsichtbares Produkt. Ich geh mit Zweifel hausieren", erklärt Bill Maher, Drehbuchautor, Moderator und Star von "Religulous", gleich zu Filmbeginn seine Mission. Religiöse Überzeugung hält der Entertainer für eine neurologische Störung, organisierte Religion für einen ausgemachten Schwindel - und für eine Gefahr für den Fortbestand der Menschheit. In einer hurtigen Abfolge von Interviews, Schauplatzreportagen, angeeigneten Filmzitaten und versierten Late-Night-Comedy-Schmähs werden diese Thesen hier mehr verkauft als gewissenhaft durchargumentiert: Es hilft nur Showbusiness, wo Showbusiness herrscht.

Das könnte spannend sein. Immerhin ist Maher mit seiner TV-Sendung "Real Time", neben Jon Stewart und Stephen Colbert, einer der prominentesten Vertreter der seit den frühen Bush-Jahren in den USA boomenden Infotainmentsparte kritischer Politcomedy-Talkshows. Wie aufschlussreich und im besten Sinn aufklärerisch diese Formate gelegentlich agieren, davon ist in "Religulous" aber trotz einiger schöner Pointen zu wenig zu spüren: Statt den Streit auf Augenhöhe mit Würdenträgern, Einflussnehmern oder einigermaßen artikulierten Religionsanhängern zu suchen, lassen Maher und Regisseur Larry Charles ("Borat") meist unterprivilegierte Gläubige, wehrlose Freaks und isolierte Extremisten genüsslich auflaufen. Was als Polemik gegen den politischen Einfluss christlicher Fundamentalismen in den USA beginnt, verzettelt sich außerdem in einem Themenmischmasch zwischen Cannabissekte, kuriosem Sabbatwerkzeug und beiläufig angerissenen Vermutungen über die inhärente Gewaltbereitschaft "des Islam". Schade.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Gartenbau)


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