Neu im Kino

Jirí Menzels "Ich habe den englischen König bedient"

Lexikon | Michael Omasta | aus FALTER 14/09 vom 01.04.2009

Jan ist ein kleinwüchsiger Mann mit hochgesteckten Zielen. Was ihm an Körpergröße fehlt, macht er durch Opportunismus wett und arbeitet sich vom Piccolo zum Kellner und vom Oberkellner bis zum Hoteleigentümer hoch. Er strebt nach Akzeptanz bei den Gästen, bei seinen wechselnden Gespielinnen und schließlich auch bei den Deutschen, als sie die Tschechoslowakei besetzen.

Mit "Ich habe den englischen König bedient" (Titel des Originals: "Obsluhoval jsem anglického krále") hat Jirí Menzel, der Regisseur von Filmen wie "Scharf beobachtete Züge" (1966) und "Lerchen am Faden" (1969), erneut einen Roman von Bohumil Hrabal verfilmt. Auch im vorliegenden Fall handelt es sich um eine Satire; allerdings eine, der es an Biss und brennender Notwendigkeit gebricht. Jan, zugleich Icherzähler des Films, erinnert sich aus der Distanz eines halben Lebens zurück an seine Jugend, als die historischen Gezeitenwechsel ihm zunächst die Ehe mit einer strammen Nazisse (Julia Jentsch) und bald nach Kriegsende 15 Jahre Gefängnis bescherten.

Menzel, der sich im Gegensatz zu anderen Regisseuren seiner Generation, wie Milos Forman oder Ivan Passer, anno 1968 nicht ins westliche Ausland absetzte, versteht das Kino vor allem als Volkskunst: "Ich habe viel von Chaplin und Keaton gelernt. Ich mache Komödien, nichts anderes. Weil die Leute sie brauchen, und außerdem, weil humorlose Projekte mich langweilen. Filmemacher wie Julien Duvivier oder Jean Renoir, die alten Meister, haben stets den Kontakt zu ihrem Publikum gehalten."

Spät, aber doch scheint der Erfolg dem inzwischen 70-jährigen Jirí Menzel durchaus Recht zu geben. "Ich habe den englischen König bedient" brach in der Tschechischen Republik sämtliche bisherigen Kassenrekorde.

Ab Fr in den Kinos


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige