Tanz Kritik

Eine Messe, die ein Spieleabend ist

Steiermark | Gregor Schenker | aus FALTER 14/09 vom 01.04.2009

The Rhythm of the Night", der Eurodancehit von Corona, ist quasi der Inbegriff dessen, was man als "Worst of the 90's" verstehen darf. Als geschmackliche Unsäglichkeit, die über die Jahre eine kulthafte Patina entwickelt hat. Mit dieser Nummer beginnen die Rabtaldirndln ihre neue Show "Soviel ich weiß, kann ich nicht tanzen" im Forum Stadtpark, bringen sich gleich einmal völlig außer Atem und machen klar, dass sie wissen, wo der Zeitgeist steht. Im Dilettieren.

Die Rabtaldirndln nennen das dann charmant eine persönliche Überforderung. Und in diesem Charme liegt genau die Stärke der fünfköpfigen Damentruppe. Federleicht erzeugt sie eine Atmosphäre, die sie selbst zwar immer wieder in ganz alltägliche Situationen persönlichen Scheiterns bringt, die dem Zuschauer aber jede Angst vor Peinlichkeit nimmt, und ermöglicht so eine Art Katharsis des Loslassens. Zusammengehalten durch die choreografische Klammer Nadine Puschnigs werden viele schöne Spiele entwickelt, die auch als Inspiration für verregnete Apriltage mit nachhause genommen werden können. Das Erfinden von beispielsweise eher lebensgefährlichen Bauernregeln könnte herkömmliches Activity schon bald von den Spieleabenden verdrängen.

Diese Tragödie kommt also ohne wirkliche Schmerzen aus und reinigt von ganz alleine, weil die Dirndln saubere Dirndln sind und das alltägliche Versagen für uns auf ihre Schultern genommen haben. Das hat durchaus religiöse Züge, den Wein muss man im Anschluss aber selber trinken gehen. Eingerahmt wird die ganze Sache von einem kleinen Flohmarkt. "That's Entertainment" würde Paul Weller sagen. "Klass, klass oberklass, oberklass", sagen die Rabtaldirndln.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige