Kunst Kritik

Fleischeslust und Fleischesleid

Ulrich Tragatschnig | Steiermark | aus FALTER 14/09 vom 01.04.2009

In der Fastenzeit gilt es ja, sich gegenüber Fleisch und Fleischlichkeit enthaltsam zu verhalten. Außer man nähert sich dem Thema künstlerisch und reflektiert dabei die eigene Vergänglichkeit. Die zur Ausstellung "Fleisch" im Kulturzentrum bei den Minoriten geladenen, großteils an der Wiener Schule für künstlerische Photographie bei Friedl Kubelka ausgebildeten Künstler tun das eher plakativ. Am behutsamsten noch Brigitte Stefanek-Egger, die in ihrem Zyklus "Hysterie" das gleichnamige, Fleisch und Geist auseinanderdividierende Krankheitsbild in formal fein nuancierten Aktbildern und Porträts thematisiert, in poetische Nebel abtauchen lässt.

Ganz anders, messerscharf und knochentrocken, geht Julia Fuchs zu Werke, wenn sie die nackte weibliche Figur aus ihren Interieurs ausschneidet, um sie in Ensembles mit noch Schärferem oder als Hampelfrauen weiter zu verwerten. Sie benutzt auch gern das Stanleymesser, um den fotografierten Körpern Wunden zuzuführen, bevor sie, hinter ausgekratzten Spiegeln, für die Vergänglichkeit erotischer Belange stehen.

Auch Karin Petrowitsch verhandelt in ihren SW-Aufnahmen den Verfall der Sinnlichkeit in überwürzten Überblendungen und Detailaufnahmen, die sie in nicht minder ekelige Rahmen einmontiert. Michael Blank lässt in expressiven Tuschezeichnungen Mensch und Opfertier die Rollen tauschen, zeigt nach einem alten Stich, wie ein Soldat des 18. Jahrhunderts zu verwunden war. Ans Eingemachte geht schließlich auch Piers Erbslöh mit seinen Akten, die, zugedeckt mit tierischen Organen, im Bild posieren oder sich blutverschmiert am Fliesenboden tot stellen.

Kulturzentrum bei den Minoriten, bis 17. 4.


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