Kritik

Eine Welt ohne Gott: Palmetshofers "faust"

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 15/09 vom 08.04.2009

Der Oberösterreicher Ewald Palmetshofer, 31, war die Dramatikerentdeckung der vergangenen Saison. Seine am Schauspielhaus uraufgeführten Stücke "hamlet ist tot. keine schwerkraft" und "wohnen. unter glas" brachten eine Form und einen Ton auf die Bühne, die man so noch nicht gesehen und gehört hatte. Jetzt ist das mit Spannung erwartete neue Stück da. Es heißt "faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete" und bietet wieder den charakteristischen Palmetshofermix aus inhaltsleeren Smalltalkdialogen und elaborierten Monologen. Dazu kommt eine weitere Ebene: In "hamlet ist tot" war die Anspielung auf Shakespeare bloß eine Metapher; hier haben wir es tatsächlich mit einer Paraphrase auf "Faust I" zu tun. Heinrich F. ist Entwicklungshelfer und DJ, seine Grete eine Sozialarbeiterin. Die beiden lernen sich bei einer Party von Freunden kennen, und wie bei Goethe endet die Affäre mit einer Katastrophe.

Klingt einfach, aber so einfach macht es Palmetshofer sich und dem Publikum nicht. Die Geschichte wird bruchstückhaft erzählt, und die beiden Hauptfiguren treten gar nicht auf, sondern werden von den anderen mitgespielt. Wie in "hamlet" entwirft Palmetshofer, der Philosophie und Theologie studiert hat, das Bild einer gefühlskalten Welt ohne Gott. "Im Menschen drinnen ist kein Mensch", sagt Faust, und der muss es ja wissen. Das Stück ist konsequent, intelligent und mutig, es hat kräftige Bilder und gute Pointen zu bieten. Aber etwas hermetisch und überkonstruiert ist es schon auch. Statt damit umzugehen, versucht Regisseurin Felicitas Brucker das Stück möglichst locker wegzuspielen. Aber damit ist sogar das wieder sehr starke Schauspielhaus-Ensemble etwas überfordert. Fazit: gut, aber anstrengend.

Schauspielhaus, nächste Termine:

21. und 22.4., 20.00


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