Kommentar

"Germany's Next Topmodel" ist die Saualm des Neoliberalismus

Medienkritik

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 15/09 vom 08.04.2009

Der Zwischenstand bei "Germany's Next Topmodel" (GNTM) lautet: Noch zehn Kandidatinnen nehmen an dem Schönheitswettbewerb des Fernsehsenders Pro7 teil.

Schönheitswettbewerb? Es geht in diesem TV-Format nicht nur um eine oberflächliche Beurteilung von Körpermaßen. Der prüfende Blick der Jury unter der Leitung des Models Heidi Klum geht viel tiefer.

Die Mädchen müssen eine Prüfung bestehen, die man als Ideal des neoliberalen Subjekts bezeichnen könnte: ein Höchstmaß an Expressivität und Individualität zu vermitteln und gleichzeitig hart zu sein wie ein Stahlarbeiter. Das ist so, als sollte eine Hundertmeterläuferin während des Rennens eine Liebesarie singen.

Friert eines der Mädchen beim Shooting im kalten Wasser oder verkrümmt es sich unter dem eisigen Blick der Jury, heißt es: "Das ist nicht professionell. Was wird der Kunde dazu sagen?"

Heidi "Fleiß" Klum verkörpert dieses Ideal nur zum Teil. Ihr Körper ist perfekt, nicht aber ihre Ausstrahlung. Daher wird von ihr wohl auch Kate Moss immer wieder als Vorbild genannt, deren Aura man mit Kippen und Koks, nicht aber mit Fitnessstudios in Verbindung bringt.

Man könnte GNTM als Allegorie auf eine Gesellschaft betrachten, die die Regeln des Gladiatorenkampfes auf die Psyche ihrer Mitglieder ausdehnt. Das eigentliche Problem von GNTM ist aber sein Anachronismus.

Guantanamo soll geschlossen werden, da wirkt das Guantanamo der Herzen so deplatziert wie Kriegspropaganda in einem Friedenscamp. Vor allem: "Dem Kunden", dieser gottähnlichen Instanz, geht es gar nicht gut. Höchste Zeit also, diese Saualm des Neoliberalismus zu schließen.


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