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Politik | aus FALTER 15/09 vom 08.04.2009

Warum haben unsere Häftlinge keine Klotüren, Frau Brinek?

Laut Gesetz werden Straftäter zum Verlust der Freiheit verurteilt - aber nicht zum Verlust ihrer Menschenwürde. In Österreich ist das offenbar anders - laut der Volksanwaltschaft. In einem aktuellen Bericht kritisiert Volksanwältin Gertrude Brinek die verkommenen Zustände in heimischen Zellen.

Frau Brinek, Sie rügen Österreichs Gefängnisse. Was treibt Sie dorthin?

Als Volksanwältin kontrolliere ich Österreichs Verwaltung. Dazu zählt auch das Management von heimischen Gefängnissen. Ich besuchte die Justizanstalten in Sonnberg, Wiener Neustadt und das Frauengefängnis Schwarzau. Im Wesentlichen ist alles in Ordnung. Aber aus Krems-Stein bekam ich berechtigte Beschwerden von Häftlingen.

Manche beklagen, in den Zellen keine Klotüren zu haben, sondern nur Vorhänge.

Ja. In der Justizanstalt Stein müssen dringend Sanierungsarbeiten vorgenommen werden. Die Menschenwürde wird in manchen Zellen nicht geachtet. Rund 70 Häftlinge leben in Zellen, in denen Klomuscheln nur durch Vorhänge vom Haftraum abgetrennt sind. Das ist unwürdig und unzumutbar.

Sie kritisieren auch die Küche in Stein.

In Stein gibt es eine Küche, in der fast 1000 Personen bekocht werden. Wir haben entdeckt, dass dort über einen Abfluss Fäkalkeime eindringen, die werden mit den Schuhen überall verteilt. Eine Desinfektion ist kaum möglich. Es braucht einen Umbau.

Das Justizministerium reagiert sauer auf Ihre Kritik.

Das glaube ich nicht. Ich habe mehrmals mit dem Ministerium kommuniziert. Dort wurde nun zugesichert, dass Sanierungsmaßnahmen bald durchgeführt werden.

Wie reagieren die Justizwachebeamten?

Ich habe sehr viele engagierte Beamte getroffen, die Reformen und Sanierungen befürworten würden. Sie sehen sich ja nicht als Wärter, sondern als Sozialpädagogen.

Interview: Florian Klenk


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