Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 15/09 vom 08.04.2009

Das Experiment war einfach gestrickt und hat nicht funktioniert. Wir stecken einen alten, großen Helden und einen jungen, halbgebildeten Frechdachs zusammen in eine Sendung und hoffen, dass wir damit alle bedienen, die Bildungsbürger und die einfachen Leute: Harald Schmidt und Oliver Pocher sind mit ihrem ARD-Experiment "Schmidt & Pocher" jede Woche aufs Neue gescheitert. Ihnen beim Scheitern zuzusehen war allerdings manchmal charmant, etwa auch bei ihrem letzten Auftritt. Die war von Pochers Abgang bestimmt, der seine eigene Show auf Sat.1 bekommt - gerade der Sender, auf dem Schmidt in den 90ern die härteste, witzigste und geistreichste Late-Nite-Sendung des deutschen Sprachraums erfand. Damit wurde Schmidt zum Gott des Unterhaltungsfernsehen, ein Ruf, den er in den letzten Jahren wie ein saturierter Sektionschef auf der ARD verwaltete, nur selten unterbrochen von großen Momenten. Jetzt, wo Pocher in die Welt hinausgeht, schaut ihm Schmidt neidisch und etwas hilflos hinterher. Gott ist sehr müde.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige