Die Nullerjahre waren die Hochzeit der Creative Industries. Ihre Kritiker treten auf der Stelle

Feuilleton | aus FALTER 15/09 vom 08.04.2009

Glosse: Matthias Dusini

Wien, Kohlmarkt im Winter 2009. Die Scheiben der Chanel-Boutique sind eingeworfen. Nebenan bei Armani und Louis Vuitton brennt Licht; einige junge Architekten und Designer haben sich hier eingenistet.

Die Krise war ein Randthema des Symposiums "Creative Cities", das vergangene Woche im Radiokulturhaus stattfand und das "Versprechen der kreativen Ökonomie" zum Thema hatte.

Die Dialektik von Selbstverwirklichung und Selbstausbeutung war im vergangenen Jahrzehnt die bestimmende Denkfigur der Diskussion um die Creative Industries. Ist der Culturepreneur, diese sich in East London, dem Prenzlauer Berg oder am Brunnenmarkt ausbreitende Leitfigur der Nullerjahre, ein Vorbote der Befreiung oder Exempel einer freiwillig erduldeten Unterdrückung? Die eingeladenen Theoretiker waren sich in der Beantwortung dieser Frage ziemlich einig.

Kreativitätsfreie Zonen wünschte sich der Kulturtheoretiker Diedrich Diederichsen, so sehr hätte die Überidentifikation mit der Arbeit das

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