Vergangenheitsbewältigung in gleißender Schönheit

Feuilleton | aus FALTER 15/09 vom 08.04.2009

Claude Millers "Ein Geheimnis" ist ein virtuos erzählter, beklemmender Film über die Wiederkehr des Verdrängten

Filmkritik: Michael Omasta

FranÇois wird von Schuldgefühlen geplagt. Der kleine Bub, von Geburt an schmächtig, fühlt sich als Versager. Während seine Mutter, ein ehemaliger Schwimmchampion, mit größter Anmut vom Fünfmeterturm köpfelt, zittert er vor Kälte und wagt sich kaum ins Wasser.

Das einzige Mal, dass sein Vater ihn je mit Stolz anblickt, ist, als er mit zerrissenem Hemd von der Schule heimkommt. FranÇois hat sich mit einem Mitschüler geprügelt, der bei einem Film über die Konzentrationslager der Nazis blöde Sprüche klopfte.

"Un secret", die jüngste Regiearbeit von Claude Miller, basiert auf Philippe Grimberts autobiografischem Roman gleichen Titels; der Autor, so wie sein Alter Ego FranÇois einige Jahre nach Kriegsende in Paris geboren, ist von Berufs wegen Psychoanalytiker. "Ein Geheimnis" ist ein Film über die Wiederkehr des Verdrängten.

Wenn man so

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