Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 15/09 vom 08.04.2009

Weich und warm

Die Forschung weiß, dass jetzt wieder die Zeit anbricht, in der die Menschen sich trennen. Sie können sich keine Singlewohnung leisten und wenden das Konzept soft separation an: die schleichende Umwandlung der Paarbeziehung in eine Wohn- und Wirtschaftsgemeinschaft. Es ist dann erlaubt, Sexpartner nach Hause zu nehmen, Nächte woanders zu verbringen oder sich bequem in Selbstmitleid einzurichten. Nicht mehr erlaubt ist es, sich gegenseitig damit zu nerven. Experten dieser relativ neuen Erscheinung raten zu einem gemeinsamen Plan, mit dem die nächsten Schritte in Richtung Freiheit usw. synchronisiert werden, damit gröbste Verletzungen vermieden werden, analog zu einem Putz- und Abwaschplan, damit kleine Verletzungen vermieden werden. So kommt es, dass sie sich nach vier Monaten verbundener miteinander fühlen als je zuvor (bis auf die allererste Phase, an die sie sich aber nicht mehr erinnern können, wegen der ganzen Scheiße). Und wenn der Herbst einbricht, beschließen sie, wieder ein Wohnzimmer zu haben und das Bett miteinander zu teilen. Dieses Glück widerfährt, ähnlich wie Künstlerkarrieren, Jahrhundertschnappschüsse und die Erfindung der Stecknadel, nur denen, die nicht damit rechnen. Deshalb ist diese Kolumne hinterhältig und gemein.

P.S. Die Kleine Zeitung meinte mit den ehemaligen Widerstandskämpfern die englischen Staubsauger Scharner und Pogatetz.


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