Fragen Sie Frau Andrea

Lenz, Larry, Lars und die langen Tage in Tel Aviv

Kolumnen | aus FALTER 15/09 vom 08.04.2009

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

hat sie mir jemand getwittert, auf Facebook gepostet oder hab ich sie sonstwo aufgeschnappt, keine Ahnung, aber jetzt grüble ich und werde nicht schlau. Woher, liebe Frau Andrea, kommt die Wendung "Der Lenz ist da!"?

Herzliche Grüße,

Aviv Cohen, per Elektropost

Lieber Aviv!

Ihre Anfrage kommt zur rechten Zeit, denn der Lenz ist tatsächlich da. Endlich da, möchte ich anmerken, nach monatelanger Inkubationszeit.

Der Lenz ist niemand Geringerer als der Frühling, im Jahr 1920 beispielsweise verewigt in Walter Jurmanns berühmtem Schlager "Veronika, der Lenz ist da". Der Frühlingssong des geborenen Wieners wurde zahllose Male gecovert, die bekannteste Version stammt aber wohl vom deutschen Singsextett Comedian Harmonists.

Landläufigen Interpretationen zufolge kommt der Lenz vom männlichen Vornamen Laurentius, dieser wiederum soll eine Verballhornung des faunischen Strauchs Lorbeer (lat. laurus) sein. Was dieser mit dem Frühling zu tun hat, bleibt uns die Volksetymologie allerdings schuldig.

Tatsächlich kommt der Heiligenname - und seine vielfältigen Derivate wie Lorenzo, Lars, Laura, Larry, Lorenz, Renzo, und Vavínec - von Laurentum, einer antiken Küstenstadt in Latium, südöstlich von Ostia gelegen. Der Sage nach soll hier der römische Oberheld Aeneas gelandet sein und Lavinia, die Tochter des sagenhaften Königs Latinus, geheiratet haben.

Tatsächlich hat der Lenz ausschließlich germanische Wurzeln. Das westgermanische langa-tin(a) in der Bedeutung "lange Tage" soll, so die etymologische Forschung, zum althochdeutschen langez, lenzo verschliffen und schließlich zu unserem Lenz geworden sein. "Der Lenz" müsste allerdings korrekterweise "die Lenz" heißen, schließlich sind es doch "die langen Tage".

Aviv, lieber Aviv, das dürfte Ihnen wahrscheinlich bekannt sein, bezeichnet übrigens ebenfalls den Frühling, die Tage der Erneuerung. Bekannteste Trägerin ihres Vornamens dürfte die zweitgrößte Stadt Israels sein, Tel Aviv, der Hügel des Frühlings.

dusl@falter.at


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