Buch der Stunde

Lexikon | Stephan Steiner | aus FALTER 15/09 vom 08.04.2009

Für kaum einen zweiten deutschen Intellektuellen wurde sein später Ruhm derart zum Fluch wie für den Historiker Golo Mann: Noch zu Lebzeiten wurde er von Kritikern als unzuordenbarer Vielschreiber, politischer Reaktionär und wissenschaftlich Unzeitgemäßer abgetan. Schuldlos war er an diesen Einschätzungen nicht, als Summe eines vielfältigen und höchst widerspruchsvollen Lebens sind sie jedoch unhaltbar. Besonders in den 1950er- und 1960er-Jahren gehörte Mann nämlich zu den Vorreitern moderner gesellschaftlicher Positionen: Unbelastet vom Nationalsozialismus trat er für eine neue, pragmatische Ostpolitik ein, unterstützte den Reformwillen der oppositionellen SPD und öffnete sich der Sozialgeschichte.

Mann war ein Zerrissener, gebeutelt zwischen Aggression gegen die und Identifikation mit der Abstammung aus dem Thomas-Mann-Clan; ein Homosexueller, der von "coming-out" nichts hielt, aber dennoch immer wieder von der "feinen" Gesellschaft an seine sexuelle Orientierung erinnert


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