Ausstellung Tipp

Für eine Erweiterung des Sehens

Lexikon | aus FALTER 16/09 vom 15.04.2009

Der ursprünglich aus der Schweiz stammende Künstler Alfons Schilling verabschiedete sich nach Paris, bevor es mit dem Wiener Aktionismus so richtig losging. Zu Beginn der 60er-Jahre stand Schilling in engem Kontakt zu Günter Brus. Beide strebten in gestischen Abstraktionen danach, die Grenzen klassischer Malerei zu sprengen. In Paris 1962 verwirklichte der Künstler seine Idee von Rotationsbildern, bei denen er die Farben auf runde, von einem Motor in Kreisbewegung versetzte Leinwände schleuderte. Knopfdruck genügt: In der Ausstellung anlässlich von Schillings 75. Geburtstag kann der Betrachter die Bilder zum schwindelnden Rasen bringen. Nach seiner Übersiedlung in die USA experimentierte Schilling mit den Techniken Holografie und Linsenrasterfotografie, wobei er zu spannenden, politisch aufgeladenen Ergebnissen kam. Sein Interesse an Optik und Wahrnehmung führten den Künstler zum Bau von Sehmaschinen; ein Dokumentarfilm zeigt, wie Schilling diese in der Natur eingesetzt hat. Vergleichsweise brav wirken dagegen die autobionären Stereobilder aus den 80er-Jahren, die mittels vorgehaltener Linse dreidimensional erscheinen. NS

Essl Museum, bis 9.8.


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