Kritik

Venice, Kopie der Kopie

Lexikon | aus FALTER 16/09 vom 15.04.2009

Ein Text des US-Kulturtheoretikers Norman Klein diente der Künstlerin Dorit Margreiter als Grundlage ihrer aktuellen Ausstellung in der Galerie Krobath. Eine Frau liest darin auf Englisch den theoretischen Aufsatz, in dem es um die Frage geht, wie sich echte Städte und deren zu kommerziellen Zwecken gebaute Kopien zueinander verhalten. Da wäre natürlich Venedig, das im Hotelkomplex Venetian in Las Vegas seinen ambitioniertesten Doppelgänger findet, aber auch falsche Städte wie Disney Land und andere Themenparks kommen in dem Essay zur Sprache. Die Stadt als Forum, die Stadt als Ware oder Spektakel, die Stadt als Kopie der Kopie: Alle diese Fragen wurden von urbanismuskritischen Künstlerinnen und Künstlern seit den 90er-Jahren bis zur Ermüdung abgehandelt. Das ist augenscheinlich auch Margreiter bewusst, die ihr Video durch eine Verwirrung der Sprecher verkompliziert: Während die gleiche Frauenstimme den Text liest, treten im Film selbst zwei Frauen als Sprecherinnen auf. Diese Trennung von Stimme und Körper wirkt jedoch ebenso steril konzeptualistisch wie die Verfilmung von Kleins Essay. NS

Galerie Krobath, bis 25.4.


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