Neu im Kino

Piraterie, niedlich wie nie: "Radio Rock Revolution"

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 16/09 vom 15.04.2009

Eines ruft "Radio Rock Revolution" immerhin in Erinnerung: dass es Pop-Piraterie nicht erst seit Filesharing-Plattformen gibt. Bereits im Großbritannien der 1960er hörte bis zur Hälfte der Bevölkerung lieber halblegale Piratenradio-Sender, die die Insel von der See aus mit aktueller Pop- und Rockmusik beschallten, als das öffentlich-rechtliche Bildungsprogramm der BBC. Dieses spannende Kapitel britischer Popgeschichte zwischen chaotischer Improvisation und smartem Jugendkulturbusiness hat Richard Curtis, der Autor hinter "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" und "Notting Hill", in seiner zweiten Regiearbeit zu einem denkbar arglosen Sixties-Schwank umformuliert.

In der ersten Szene hört ein zehnjähriger Bub vor dem Schlafengehen im Bett heimlich Piratenradio (Curtis ist Jahrgang 1956), der Rest des Films wirkt wie von ihm geträumt: Lustig ist das Piratenleben an Bord des rostigen Kutters von "Radio Rock", wo dauerpubertäre DJ-Gockeln (Philip Seymour Hoffman, Rhys Ifans) sich in Mutproben ergehen und kichernde Mädchen sich an Damenabenden scharenweise in die Schlafgemächer ihrer Moderatorenhelden drängen, während an Land ein biederer Minister (vergnügliche Schmiere von Kenneth Branagh) den Untergang des liederlichen Gesocks plant.

Das könnte schon nett sein - Curtis hat immerhin "Blackadder" miterfunden -, aber die angepeilte organische Ensemblekomik hängt trotz Spitzenbesetzung (unter anderen Bill Nighy und Nick Frost) von Anfang an durch. Erst zum Schluss, mit einer gründlich dementen Sequenz zu Cat Stevens' "Father and Son", dringt der Film zu echtem Spaß vor. Da ist das Schiff aber schon fast untergegangen.

Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn)


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