Theater Kritik

Rittersport. Leider nur mit Platzpatronen

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 16/09 vom 15.04.2009

Don und Sancha sind ein Paar. Und sie sind die Helden der Mantscha. Die Mantscha, das ist eine Gegend, die von Graz weg tief in die Weststeiermark hineinführt, Richtung Lipizzaner- und Schilcherland. Und sie ist hier ein Anklang an den Sehnsuchtsraum, den Cervantes' Ritter von der traurigen Gestalt für Verträumte geöffnet hält.

Der 1981 in Graz geborene Christian Winkler hat im Auftrag des Grazer Schauspielhauses mit seinem Drama "Don Quixote und die Helden der Mantscha" ein Stück über zwei junge Menschen geschrieben und inszeniert, die sich in der Mantscha verlieren, oder eher: im Gewirr ihrer Spiele und Einbildungen. Neben zahlreichen etwas aufgesetzten Don-Quixote-trifft-Weststeiermark-Referenzen ist es die Flucht vor der Realität in immer neue Heldenrollen, die das Paar mit dem tragikomischen Antihelden verbindet. Triebfeder des Dramas ist das Spiel mit der Fiktion, die Doppelung der Theatermaschine, die Spannung, die sich aus Unsicherheit speist: Was ist nun wirklich? Was Spiel im Spiel?

Auch Winkler weiß, dass dieser doppelte Boden von selbst kein Stück trägt. Seine Darsteller Carolin Eichhorst und Dominik Maringer führt er mit feinem Fingerspitzengefühl durchs Stück, sodass sie jeden Ton des Textes treffen, mit gutem Timing holt er Jens Burdes Bühnenbild zu Hilfe, das durch Wände überrascht, die sich neben den Zuschauern dramatisch aufrichten. Nicht Gleichförmigkeit ist es, die den Abend letztlich als unspektakulär entlarvt, sondern die Vorhersehbarkeit seiner Eskalation. Und die kommt dann auch zur rechten Zeit. Effektvoll mit Platzpatronen. Manchmal ist es eben auch falsch, alles richtig zu machen.

Schauspielhaus Graz, 16.4., 20.00


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