Glosse

Zumutbarkeitsgrenze: Wie viel Menschliches können wir ertragen?

Essen in den Öffis

Matthias G. Bernold | aus FALTER 16/09 vom 15.04.2009

Die Debatte um das Essverbot in der U-Bahn greift zu kurz. Denn der Mensch ist dem Menschen eine Zumutung. Gerade im öffentlichen Raum, wo er der Präsenz anderer hilflos ausgeliefert ist. Attackiert wird auf allen Sinnesebenen: geruchlich (Zigaretten, Pizzaschnitten, Schweiß, Atemluft), optisch (zu tiefe und zu seichte Ausschnitte, grellbunte Westen, aufdringliche Blicke, hochnäsiges Wegschauen), akustisch (Musik, Handys, lautes Unterhalten) und taktil (drängen, auf die Zehen steigen, Benutzung derselben Haltegriffe). Die Bandbreite invasiven Verhaltens ist einfach zu groß. Essverbote in der U-Bahn sind bestenfalls ein Zwischenschritt bei der Neugestaltung des öffentlichen Raums. Mittelfristiges Ziel muss sein, den Menschen, diesen Ungustl, aus der Öffentlichkeit zu entfernen.


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