Wer füttert die Ärzte?

Politik | aus FALTER 16/09 vom 15.04.2009

Das neue Antikorruptionsgesetz verunsichert Mediziner, die von der Pharmaindustrie umworben werden

Bericht: Andrea Fried

Christoph Zielinski fühlt sich desavouiert. "Mir reicht's! Dieses Gesetz kriminalisiert uns in einer Weise, die nicht notwendig wäre", polterte der international bekannte Krebsarzt kürzlich bei einer Enquete an der Medizinischen Uni in Wien. Grund seines Zorns ist ein neuer Paragraf im Strafrecht, der es "Amtsträgern" seit 2008 verbietet, Geschenke über einer gewissen Bagatellgrenze anzunehmen. Im Gegensatz zu früher bedarf es dazu nun keines unmittelbaren Zusammenhangs mehr mit einer konkreten "Amtshandlung". Das heißt, auch das bloße "Anfüttern" eines Amtsträgers mit Geld oder anderen Zuckerln kann nun mit einer Verurteilung enden.

Auch Zielinski ist ein "Amtsträger", denn er erhält öffentliche Forschungsaufträge. Und vieles, was bisher gute Sitte war, ist ihm und seinen Kollegen nun verboten. Etwa das Annehmen von Einladungen zu Fortbildungen und Kongressen.

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