Verzopft? Verkopft? Verniedlicht! Der große Haydn-Irrtum

Feuilleton | aus FALTER 16/09 vom 15.04.2009

200 Jahre nach seinem Tod ist Joseph Haydn der bekannteste Unbekannte der Wiener Klassik. Zeit für die Neuentdeckung eines Mannes, der sich mit viel Witz und Selbstbewusstsein als Künstler und Bürger emanzipierte

Hommage: Carsten Fastner

Kennen Sie den? Steht eine Sonate in C-Dur. Kommt das Finale, findet ein cis und biegt ab nach - H-Dur.

Nicht lustig? Je nun! Zu Joseph Haydns Zeit war das ein wirklich guter Witz. Kein billiger Schenkelklopfer, sondern eine feine, wirkungsvoll gesetzte Pointe, die Kenner und Liebhaber auf Anhieb verstanden haben. Weil sie, wie in jedem guten Witz, die Erwartungshaltung des Hörers auf überraschende Weise unterläuft.

Das unscheinbare cis, das da im neunten Takt des Finales von Haydns Klaviersonate Nr. 50 aufblitzt, mündet einen Takt später in einen H-Dur-Akkord - mithin in eine gänzlich unerwartete, der Grundtonart C-Dur gegenüber denkbar weit entfernte Tonart. Ganz schön gewitzt!

Doch ein Witz, den man erklären muss, ist keiner mehr. Genau das ist


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