Endlich im Wiener Kino: Lee Chang-dongs exzellentes Provinzmelodram "Secret Sunshine"

Feuilleton | aus FALTER 16/09 vom 15.04.2009

Rezension: Joachim Schätz

In Miryang, dem Heimatstädtchen des unlängst verstorbenen Gatten, will Shin-ae (Jeon Do-yeon) mit ihrem Sohn einen Neuanfang wagen. Von Anfang an säumen Störungen ihren Weg: Auf der Anreise geht kurz vor dem Ziel das Auto ein, und der ortsansässige Mechaniker, der es repariert, erweist sich in seiner hilfsbereiten Zuneigung als regelrechte Klette.

Die Eingesessenen wissen mit der selbstbewussten Großstädterin, die in der Einkaufsstraße eine Klavierschule eröffnet, nicht so recht etwas anzufangen. Und just als Shin-ae in der Provinzgemeinschaft Fuß zu fassen beginnt, wirft eine private Katastrophe sie - und den Film - aus der Bahn.

"Miryang", der Ortsname und Originaltitel des Films, bedeutet "heimlicher Sonnenschein". Halb von Wolken verdeckt ist die Sonne auch in der allerersten Einstellung, ganz im Sinne einer Ästhetik, die sich dem sanften, aber nachhaltig irritierenden Überlappen von Stimmungen und Tonfällen verschrieben hat: Als in einer frühen


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