Up to date und nonchalant

Feuilleton | aus FALTER 16/09 vom 15.04.2009

Elfriede Gerstl hat ihrer Heimatstadt die Gemütlichkeit mit sanftem Spott und trockenem Witz vergolten

Nachruf: Erich Klein

A bissal gfiacht / a bissal gfreid / hauptsach ausn kölla / aussegräud." Wie kein anderer Text bringt das Gedicht "april 45" den Ursprung der Zweiten Republik auf den Punkt. Wie bei einer Geburt taucht die 1932 als Tochter eines jüdischen Arztes geborene Elfriede Gerstl aus dem Untergrund auf, wo sie mit ihrer Mutter in diversen Wohnungen und Kellern versteckt als "U-Boot" den Naziterror überlebt. Wien sprach nicht mehr wörtlich, es sprach Dialekt. Mit der damals üblichen Niedertracht erklärte ein Beamter des Wohnungsamts, sie solle in der Substandardwohnung weiterhausen.

Erste Gedichte und Prosa veröffentlicht "die Gerstl" in der Zeitschrift Neue Wege, 1955, im Jahr der offiziösen Österreichbefreiung. Der "Wiener Gruppe", die sie seit dieser Zeit kennt, folgt sie Mitte der 60er in die "Emigration" nach Berlin. Der dort entstandene experimentelle Roman "Spielräume",


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