Die Stadt, die es nicht gibt

Stadtleben | aus FALTER 16/09 vom 15.04.2009

Am Rand von Wien warten tausende Flüchtlinge darauf anzukommen. Dabei wohnen sie in einer surrealen Kleingartensiedlung in Simmering. Einige schon seit 50 Jahren

Reportage: Florian Niederndorfer, Theresia Wolf

Der weiße Kleinbus muss nicht hupen. Im Schritttempo biegt er um die Ecke. Ein halbes Dutzend Menschen erwartet ihn. Eine Frau mit Kopftuch steigt aus und beginnt, die begehrte Ware anzubieten. Käse aus Tschetschenien, Eis aus Russland, "ganz frisch". Die Frau zeigt ihre Goldzähne. Tschetschenische Männer und somalische Kinder drängen sich um den Bus. Jeden Tag gehe das so, sagt einer der Tschetschenen in holprigem Deutsch. Alle lachen. Eigentlich dürfe es den fahrenden Markt gar nicht geben, sagt der Mann. Aber was macht das schon. In einer Stadt, von der kaum ein Wiener weiß, dass sie überhaupt existiert.

Die unbekannte Stadt liegt in Kaiserebersdorf. Dort, wo Wien langsam nach Schwechat hin ausfranst. Eingeklemmt zwischen Ostautobahn, Baumärkten und Donauufer. Schranken

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