Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 16/09 vom 15.04.2009

Eine kleine Lanze für Franz

Sollte sich das Osterfest tatsächlich etymologisch aus dem altgermanischen Wort für Morgenröte herleiten, dann war das, was letzte Woche das Land erschütterte, eine durchaus österliche Erschütterung. Nein, nicht der Coup des roten Vize-Bürgermeisters von Gamlitz, Franz Krois, der seinen Parteifreund, den Bürgermeister von Deutschlandsberg, Josef Wallner, über Nacht und ohne Vorwarnung mit der brutalen Tatsache konfrontierte, dass nicht mehr Deutschlandsberg (8,4 Meter), sondern ab sofort Gamlitz (9,65 Meter) das zumindest europaweit größte künstliche Osterei auf seinem Hauptplatz beherbergt. Obwohl - auch nicht ohne Witz.

Jedenfalls hat auch der steirische Landeshauptmann Franz Voves einige Parteifreunde mit brutalen Tatsachen konfrontiert. Heißt es jedenfalls. Denn wer die unter seiner Federführung verfassten Überlegungen zur "Neuen Europäischen Wirtschaftspolitik" liest, läuft eher Gefahr, am Blasensprech zu ermüden - der sich über weite Strecken mit dem Grundsatzprogramm der SPÖ, 1998, deckt -, als dass er um den sozialen Frieden im Lande bangen müsste. Mit einigem guten Willen hätte man das Papier sogar als Versuch lesen können, der SPÖ ein etwas schärferes, auch ein europäisches Profil für die EU-Wahlen zu verpassen. Und nicht als neo-stalinistisches "Eat the Rich"-Pamphlet.

Hätte Voves aber wirklich eine ernsthafte Programmdiskussion führen wollen, wäre er besser beraten gewesen, sich vor dem Postversand des Papiers zumindest mit seinem Parteivorstand abzusprechen. Möglicherweise steht dort wohliges Kuscheln in der Dämmerung derzeit höher im Kurs als Morgenröte. Stellt man das Ei halt am Hauptplatz ab.

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige